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EWS-Abschaltung in Microsoft 365: Diese Fristen gelten jetzt

12. August 2026 · Matthias Tichý

Microsoft schaltet Exchange Web Services ab — in zwei Stufen

Wenn in Ihrem Unternehmen eine Software auf Postfächer, Kalender oder Kontakte in Microsoft 365 zugreift, sollten Sie die nächsten Wochen fest einplanen. Microsoft beendet die Schnittstelle Exchange Web Services, kurz EWS, in Exchange Online. Zwei Termine entscheiden darüber, ob Ihre Systeme weiterlaufen: 1. Oktober 2026 — Microsoft beginnt, EWS für alle Tenants abzuschalten. Anwendungen, die darüber auf Postfächer zugreifen, stellen ihren Dienst ein. 1. April 2027 — EWS ist endgültig aus. Danach lässt sich der Zugriff nicht mehr reaktivieren, auch nicht im Einzelfall. Dazwischen liegt ein Übergangsfenster: Wer eine Anwendung übergangsweise weiterbetreiben muss, kann sie gezielt freischalten. Dafür gilt allerdings eine deutlich frühere Frist — Ende August 2026. Entwarnung an einer Stelle: Betroffen ist ausschließlich Exchange Online, also Microsoft 365. Ein lokaler Exchange Server im eigenen Haus behält EWS.
Zeitstrahl der EWS-Abschaltung: Abkündigung Juli 2018, Termin 2023, Midnight Blizzard Januar 2024, Frist für die Allowlist 31. August 2026, Beginn der Abschaltung 1. Oktober 2026, endgültiges Aus 1. April 2027.
Der Zeitplan im Überblick. Zwischen Oktober 2026 und April 2027 sind Ausnahmen noch möglich — danach nicht mehr.

Warum Microsoft die Schnittstelle abschaltet

EWS stammt aus der Zeit von Exchange 2007 und bekommt seit 2018 keine neuen Funktionen mehr. Ausschlaggebend für das Tempo war aber ein Sicherheitsvorfall: Beim Angriff der Gruppe Midnight Blizzard auf Microsoft im Januar 2024 spielte EWS eine Rolle. Danach hat Microsoft den Umfang des Projekts ausgeweitet — nicht mehr nur Drittanbieter-Software soll weg von EWS, sondern auch Microsofts eigene Produkte wie Outlook, Office, Teams und Dynamics 365. Diese Umstellung übernimmt Microsoft selbst, dort müssen Sie nichts tun. Der Nachfolger heißt Microsoft Graph. Die Schnittstelle arbeitet mit modernen Anmeldeverfahren und deutlich feiner abgestuften Berechtigungen: Eine Anwendung bekommt nur Zugriff auf das, was sie wirklich braucht, statt pauschal auf alle Postfächer.

Typisch betroffene Systeme

Erfahrungsgemäß hängen in kleinen und mittleren Unternehmen genau diese Anwendungen an EWS.

Backup und Archivierung

Lösungen, die Postfächer sichern oder revisionssicher archivieren, greifen häufig per EWS auf die Daten zu.

E-Mail-Signaturen

Zentral verwaltete Signaturen werden teilweise über EWS in die Postfächer geschrieben.

CRM- und ERP-Anbindung

Die Verknüpfung von Kundenakte und E-Mail-Verkehr läuft in vielen Systemen über EWS.

Ticket- und Helpdesksysteme

Systeme, die E-Mails automatisch in Tickets umwandeln, holen sich diese oft per EWS ab.

Raum- und Ressourcenbuchung

Displays vor Besprechungsräumen und Buchungsportale lesen Kalender regelmäßig über EWS.

Ältere Geräte und Programme

Multifunktionsgeräte mit Scan-to-Mail und ältere Mailprogramme nutzen teils noch EWS.

So finden Sie heraus, ob Sie betroffen sind

Raten Sie nicht — Microsoft liefert die Zahlen mit. Drei Wege führen zu einer belastbaren Antwort: Der EWS-Nutzungsbericht im Microsoft 365 Admin Center zeigt wöchentlich, welche Anwendungen noch über EWS zugreifen. Sie finden ihn unter Berichte, Nutzung, EWS. Das ist der schnellste Einstieg, weil dort die Anwendungs-IDs stehen, die Sie später ohnehin brauchen. Die Anmeldeprotokolle in Microsoft Entra ID zeigen zusätzlich, welche Benutzer und Dienstkonten betroffen sind. Das hilft, wenn eine Anwendungs-ID im Bericht auftaucht, die niemand zuordnen kann. Fragen Sie Ihre Softwarehersteller aktiv an. Viele haben längst eine Version auf Graph-Basis, die nur eingespielt werden muss. Andere brauchen einen Anstoß — und je näher der Oktober rückt, desto voller werden deren Warteschlangen. Für selbst entwickelte Anwendungen stellt Microsoft mit dem EWS Analyzer ein Werkzeug bereit, das den Code auf EWS-Aufrufe durchsucht.

Die Notbremse: Freigabeliste bis Ende August

Wenn eine Anwendung bis Oktober nachweislich nicht umgestellt werden kann, lässt sie sich gezielt weiter zulassen. Das geschieht über zwei Einstellungen in der Exchange-Online-Verwaltung: einen Schalter, der EWS grundsätzlich erlaubt, und eine Liste der Anwendungs-IDs, für die das gelten soll. Der Befehl dafür lautet sinngemäß: Set-OrganizationConfig -EwsEnabled $true -EwsAllowedAppIDs "<AppID-1>,<AppID-2>" Wichtig ist das Zusammenspiel: Steht der Schalter auf true, kommen ausschließlich die aufgelisteten Anwendungen durch — alle anderen sind gesperrt. Steht er auf false, ist EWS komplett zu, unabhängig von der Liste. Wer nichts tut, bekommt die Einstellung von Microsoft auf false gesetzt. Und die Frist für die Einrichtung liegt vor dem Abschalttermin: Microsoft nennt Ende August 2026, damit der Zugriff über den 1. Oktober hinaus bestehen bleibt. Verstehen Sie diese Liste bitte als Galgenfrist, nicht als Lösung. Am 1. April 2027 endet sie ersatzlos.

Was nicht betroffen ist

Für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ändert sich im Alltag nichts. Outlook, Outlook im Browser und die Handy-Apps funktionieren weiter — Microsoft stellt diese Produkte selbst um. Ein lokaler Exchange Server behält EWS ebenfalls. Wer hybrid betrieben wird, sollte aber genau hinsehen: Anwendungen, die auf Postfächer in der Cloud zugreifen, fallen unter die Abschaltung, auch wenn daneben ein eigener Server steht. Für Kiosk- und Frontline-Pläne gelten teilweise abweichende, frühere Termine. Wenn Sie solche Lizenzen einsetzen, prüfen Sie das Message Center Ihres Tenants.

Ihr Fahrplan

Diese Reihenfolge hat sich bewährt: Erstens: EWS-Nutzungsbericht öffnen und die Liste der zugreifenden Anwendungen ausdrucken. Das dauert zehn Minuten und beantwortet die wichtigste Frage — ob Sie überhaupt betroffen sind. Zweitens: Jede gefundene Anwendung einem Verantwortlichen und einem Hersteller zuordnen. Was niemand zuordnen kann, ist ein eigener Prüfpunkt. Drittens: Beim Hersteller die Graph-fähige Version anfragen und einen Termin für das Update festhalten. Viertens: Nur für das, was bis Oktober nachweislich nicht fertig wird, die Freigabeliste einrichten — vor Ende August. Fünftens: Bis April 2027 auch diese Reste ablösen. Wenn Sie Ihre Microsoft-365-Umgebung von uns betreuen lassen, übernehmen wir diese Prüfung im Rahmen der laufenden IT-Betreuung. Falls nicht: Der Nutzungsbericht ist auch ohne fremde Hilfe schnell geöffnet — und ein Blick lohnt sich in jedem Fall.

Häufige Fragen zur EWS-Abschaltung

Unsicher, ob Ihre Systeme betroffen sind?

Wir sehen uns Ihren Tenant an, werten den EWS-Nutzungsbericht aus und sagen Ihnen konkret, welche Anwendungen bis Oktober umgestellt werden müssen.

Prüfung anfragen

Transparenzhinweis: Die Inhalte dieses Beitrags wurden mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und von uns redaktionell geprüft.

MT

Matthias Tichý

IT-Berater und Gründer von IT-Service M.Tichý in Berlin-Spandau. Seit 2010 betreut er kleine und mittlere Unternehmen in Berlin und Brandenburg bei Microsoft 365, IT-Sicherheit, Backup und Managed Services.